Diese Website verwendet notwendige technische und analytische Cookies.
Wenn Sie die Navigation fortsetzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.

Luchino Visconti | Retrospektive im Filmmuseum

Foto per sito 2

Mit Luchino Visconti (1906–1976) würdigt das Österreichische Filmmuseum einen der größten Regisseure des 20. Jahrhunderts, dessen unverwechselbarer Stil bis heute Spuren im Weltkino zieht.

Obwohl Filme wie La terra trema (1948), Senso (1954) oder Il gattopardo die Geschichte des Kinos entscheidend prägten und Visconti schon zu Lebzeiten als Klassiker galt, blieb er stets kontrovers. Visconti, Aristokrat, Homosexueller und Marxist, war von der untergegangenen Kultur des Fin de siècle, in deren Geist er erzogen wurde, ebenso fasziniert wie von den (Klassen-)Kämpfen seiner Zeit. Er formte das Kino als Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem epischen Atem, der die Literatur und die Musik des ausgehenden 19. Jahrhunderts prägte.

Als Sohn einer Mailänder Adelsdynastie erhielt Visconti eine umfassende Bildung und führte ein finanziell unabhängiges Dasein. In den 1930ern erwachte sein Interesse für Theater und Kino, entscheidend wirkte die Begegnung mit Jean Renoir, für den er als Regieassistent tätig war. Viscontis politisches Engagement wurde geweckt, er arbeitete mit an der Filmzeitschrift Cinema, wo sich in den ersten Kriegsjahren jene oppositionellen Kräfte sammelten. Viscontis Debüt, das naturalistische Krimimelodram Ossessione (1943) wurde zwar wegen seiner sozialkritischen Tendenz prompt verboten, wirkte aber wie ein neorealistisches Manifest.

Nach dem Krieg wurde Visconti zum Erneuerer des italienischen Theaters und inszenierte Opern, darunter einige der wichtigsten Callas-Aufführungen, beides trat in Wechselwirkung mit seinem Filmschaffen. La terra trema, seine Erzählung vom Untergang einer sizilianischen Fischerfamilie angesichts des hereinbrechenden Kapitalismus, verband Realismus mit opernhaften Zügen. Im Historienfilm Senso meisterte Visconti schließlich seine Idee des Gesamtkunstwerks: eine Verbindung von filmischer Opulenz, theatralischer Choreografie und einer zutiefst zeitgenössischen Konstruktion von Geschichte.

Ein möglicher Kulminationspunkt seiner Kunst ist die unvergleichliche, 40-minütige Ballsequenz am Ende von Il gattopardo, die wie ein Bewusstseinsstrom des Protagonisten gestaltet ist: Der alte Fürst realisiert während des Garibaldi-Befreiungskriegs, dass seine Welt zum Untergang bestimmt ist. Dieses Motiv prägt auch Viscontis Spätwerk, wie z.B. seine „Deutsche Trilogie“ (Die Verdammten, Tod in Venedig, Ludwig II.).

Weitere Informationen und Tickets finden Sie auf der Website des Filmmuseums.

Foto: Courtesy Österreichisches Filmmuseum

 

  • Organisiert von: Österreichisches Filmmuseum
  • In Zusammenarbeit mit: Istituto Italiano di Cultura di Vienna