Wie kann in einer westlichen Welt, in welcher die herkömmlichen Formen politischen und demokratischen Zusammenlebens in eine Krise geraten zu sein scheinen, in einem globalen Digitalzeitalter, in welchem die Wirklichkeit immer virtueller aber gleichzeitig auch nicht in Frage zu stellen erscheint, ein religiöser Diskurs erneut die öffentliche Debatte, politische Institutionen und die Meinungen der Menschen beeinflussen? Welche ist – falls vorhanden – die Beziehung zwischen der biblischen Tradition, den Formen der Politik, der zeitgenössischen Ethik und den Methoden der Psychoanalyse?
Massimo Recalcati, Psychotherapeut und bekannter Sachbuchautor wird versuchen diese Fragen im Gespräch mit Isabella Guanzini zu beantworten, einer renommierten Philosophin und Theologin, welche in den letzten Jahren eine eigene „Theologie der Zärtlichkeit“ und „Philosophie der Freude“ entwickelt hat.
Der Schmerz, das menschliche Leiden und die tiefe Bedeutung der Melancholie, aber auch die Beziehung Freuds zur jüdischen Tradition sowie die Religion im Allgemeinen bilden den Ausgangspunkt einer Diskussion, welche sich mit wissenschaftlicher Strenge und Teilnahme auch konkreten und alltäglichen Fragen nähern wird. Moderiert wird das Gespräch von Stefano Vastano.
Die Veranstaltung findet auf Italienisch mit deutscher Simultanübersetzung statt.
Anmeldung erforderlich. Klicken Sie HIER.
Massimo Recalcati leitet das Irpa-Institut (Istituto di ricerca di psicoanalisi applicata/Institut zur Erforschung der angewandten Psychoanalyse) und gründete 2003 die gemeinnützige Organisation Jonas (Zentrum klinischer Psychoanalyse für neue Syntome). Recalcati schreibt für die Tageszeitung “la Repubblica” und unterrichtet Psychopathologie des Ernährungsverhaltens an der Universität Pavia sowie Psychoanalyse und Humanwissenschaften an der Universität Verona. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, welche in viele Sprachen übersetzt wurden und moderierte verschiedene Fernsehsendungen.
Isabella Guanzini ist Universitätsprofessorin für Fundamentaltheologie an der Universität Linz (KU Linz) und unterrichtet Geschichte der Philosophie an der Theologischen Fakultät für Norditalien in Mailand. Sie forscht und unterrichtet vornehmlich zu den Themen Theologie in den Kontexten der Gegenwart, Religionsphilosophie und den Beziehungen zwischen Religion und Psychoanalyse.
Stefano Vastano ist Journalist, Sachbuchautor und Übersetzer. Er lebt und arbeitet seit 1989 in Berlin. Vastano ist einer der bekanntesten Mitarbeiter der Wochenzeitung „L’Espresso“ und arbeitet für zahlreiche schweizerische und deutschen Zeitungen wie Zeitschriften. Für Turia+Kant übersetzte er Recalcatis Bücher Das Licht der toten Sterne (gemeinsam mit Nadine Hartmann) und Am Anfang war das Wort: Das biblische Erbe der Psychoanalyse (mit Wolfgang Hegener).
Photo: Filosofi lungo l’Oglio, Festival della mente